Wer hat hier einen guten Stil?

Man kann zu Stil Beratungen gehen und Psychotests über Stilsicherheit machen. Wikipedia definiert das Wort Stil mit einer „charakteristisch ausgeprägten Erscheinungsform“ – das Wort Charakter, ausgeprägt und Erscheinung ist also drin. Aber mal ehrlich was macht Stil eigentlich aus? Ist er einem in die Wiege gelegt oder kann man Stil lernen? Manchmal frage ich mich selbst ob ich mich überhaupt zu den Stilbewussten zähle, sagt ihr von euch das ihr Stil habt? Ich mache immer häufiger die Erfahrung, dass ein authentischer, individueller, eigener Stil fast schon zu einer Rarität geworden ist. Jetzt auch gerade während dem Fashion Month werde ich so oft mit der Frage konfrontiert, wer von den Front Row Gästen stellt eigentlich seinen eigenen Stil dar? Hundert Prozent derer werden doch entweder komplett von ihren Stylisten eingekleidet oder kopieren die Laufsteg Looks eins zu eins. Bei einer Valentino Show in Valentino zu erscheinen und bei Moschino den Laufsteg Look der Herbst/Winter Show übernehmen? Wenn wir mal ehrlich sind, kann das jeder und hat mit einem guten Stil reingarnichts mehr zu tun. Generell ist die Fashion Week eine hohe Gratwanderung zwischen Menschen, denen Mode Spaß macht und denen die sich narzisstisch zur Schau stellen wollen. Dass es auf der Fashionweek eher um Aufmerksamkeit um jeden Preis geht, anstatt um Mode, zeigen nicht nur viele Besucher jedes halbe Jahr, sondern auch die Designer sind nicht unbedingt auf Zurückhaltung bedacht, was Aufmerksamkeit betrifft. Bestes Beispiel auf dieser Fashionweek ist Rick Owens.http://images.thesartorialist.com/thumbnails/2015/10/10115rickowens7119.jpg

Rick Owens Spring / Summer 2016 @ The Sartorialist

Das er eine Art Vielfältigkeit bei seinen Show Einlagen an den Tag bringt, wissen wir ja schon, aber das war einfach neu. Bei der Show von Rick Owens teilen sich zwar mit Sicherheit die Ansichten. Die einen sehen sie als Kunst an, die Anderen als skurrile schon fast gruselige Inszenierung. Ich kann beide Seiten nachvollziehen. Um auf so eine Idee zu kommen, gehört auf jeden Fall eine Menge Kreativität dazu und daraus noch auf eine groteske Art und Weise Kunst zu machen, sollte auch bewundert werden. Für mich war diese Performance auf den ersten Blick allerdings eher der Schrei nach Aufmerksamkeit und der Drang unbedingt in der Presse zu landen. Ich dachte mir, dieser Beitrag ist nicht komplett ungeeignet für die Fashionweek, die halbe Modewelt spricht darüber. Es ist bestimmt ein pusher für die Einnahmen, auch wenn man die Outfits nur halb erkennen kann. Und stilvoll war anders für mich. Die Models baumeln absurd aneinander gebunden, kopfüber an ihren Trägern rum. Ästhetisch ist das nicht. Spätestens jetzt wurde ich mit der Frage konfrontiert ob stilvoll denn auch immer, wie es Claire Beermann ausdrückt eine natürliche, unverkrampfte Eleganz, die man sich nicht zurechtfrisiert hat, sein muss? Oder einfach eine originelle, individuelle und vor allem eigene Art ist sich auszudrücken, weil einem Mode Spaß macht. In der man sich ruhig verkleiden darf, nur nicht verstellen. Man soll sie für sich selbst tragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.